Werner Knapp


Den 8. Mai 1945 erlebte ich als Angehöriger eines tschechoslowakischen Panzerregiments bei der zur Festung erklärten Stadt Dünkirchen. Dorthin hatten sich über 13 000 Wehrmachtsangehörige der 226. Granatwerferdivision, SS-Einheiten und Soldaten anderer Waffengattungen geflüchtete und eingeigelt. Noch wenige Tage vor Kriegsende war es ein letztes Mal zu mehrtägigen heftigen Gefechten gekommen, als die Eingeschlossenen vergeblich versuchten, von unseren Einheiten eingenommene Objekte zurückzuerobern.

Obgleich lange absehbar, löste dann die Nachricht über die bedingungslose Kapitulation des faschistischen Deutschland bei uns allen unbeschreiblichen Jubel aus, der sich mit der Begeisterung der örtlichen Bevölkerung (Bourbourg) verband. Neben seiner historischen Bedeutung war der 8. Mai 1945 verständlicherweise für Millionen Menschen ein tiefer Einschnitt in das persönliche Leben, unabhängig davon wo und wie sie am Kampf gegen das faschistische Deutschland teilgenommen oder unter der Okkupation gelitten hatten. Nach der Flucht aus Deutschland 1935 lagen nun sechs Jahre Teilnahme am Krieg gegen das faschistische Deutschland hinter mir und vielen meiner Kameraden. Verständlich war die große Freude sowohl über den Sieg des antifaschistisch-demokratischen Anliegens der Völker als auch darüber, diesen Krieg trotz vieler schlechter Erlebnisse überlebt zu haben.

Im Dezember 1945 kehrte ich ohne Illusionen in das in Schutt und Asche liegende Deutschland nach Berlin zurück.