Rudolf Jacobs

Italienischer Staat feiert deutschen Partisanen

Aus Anlass des 60. Todestages von Rudolf Jacobs hatte die Stadt Sarzana (La Spezia) offiziell zu einer Gedenkfeier eingeladen. Es galt eine Deutschen zu ehren, einen ehemaligen Partisanen, der als Offizier der faschistischen Marine den Mut hatte, zu desertieren und dem verbrecherischen System mit der Waffe in der Hand entgegen zu treten - für die Freiheit Italiens und auch für die ' Befreiung Deutschlands von der Barbarei. Bei einer Operation gegen die faschistische Besatzung der Stadt kam er am 3.11.1944 ums Leben.

Auf den Tag 60 Jahre später hat die Kommune Sarzana den Sohn des Partisanen Rudolf Jacobs und seine Frau, Kampfgefährten u, a. auch Mitglieder von DRAFD, Mitarbeiter des Bürgerhauses Vegesack, die sich besonders um die Aufarbeitung des Lebensweges dieses tapferen Menschen verdient gemacht haben und die an diesem Tag im Rathaus eine Ausstellung über den Sohn ihrer Stadt im Rathaus präsentieren können, eingeladen. Des Ehrenbürgers der Stadt wird am Ehrengrab - der letzten Ruhestätte auch weiterer Angehöriger des Widerstandes, in Anwesenheit des Bürgermeisters der Stadt, Renzo Guccinelli, des Präsidenten der Provinz La Spezia Pina Ricciardi, Paolino Ranieri, Altbürgermeister und ehemaliger Politoffizier der Partisanenbrigade, Stadträten und Kampfgefährten sowie den ausländischen Gästen durch eine Ehrenformation mit einer Kranzniederlegung gedacht. Hier findet auch das Gebinde unseres Verbandes seinen Platz. Eine Schweigeminute beendet die Zeremonie.

Auf einer anschließenden Veranstaltung im Rathaus würdigen offizielle Vertreter von Kommune und Provinz sowie ausländische Gäste, darunter Peter Gingold und Ernst Melis das Wirken von Rudolf Jacobs in seiner Zeit und die Bezüge zum heutigen Europa. Besonderen Beifall erhalten die Biografien der beiden DRAFD-Teilnehmer. Gert Meyer (Bürgerhaus Vegesack) überbrachte die persönlichen Grüße des l. Bürgermeisters Bremens Henning Scherf. Nach der Veranstaltung im Rathaus folgte ein kurzer Zug der Teilnehmer zur nahe gelegenen, bereits 1953 enthüllten, Gedenktafel im Zentrum der Stadt am Ort des Geschehens von 1944. Auch hier ehrende Worte und Kränze. Neben der medialen Aufmerksamkeit in Italien hatte auch der Sender Bremen ein Fernsehteam nach Sarzana entsandt. Es entstand eine kurze Dokumentation über Rudolf Jacobs und die Ehrungen, die inzwischen im l. und 3. Programm der ARD ausgestrahlt wurde. Bemerkenswert die vielen jugendlichen Mitglieder von ANPI, die an den Ehrungen teilnahmen. Wir hatten Gelegenheit, das Partisanenmuseum in den Bergen bei Sarzana zu besichtigen. Es ist eine mit modernsten Mitteln gestaltete interaktive, audiovisuelle Präsentation von Zeitzeugen gekoppelt mit dokumentarischen Aufnahmen zu verschiedenen Themen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Informationen über historische Hintergründe. Der Neubau und Betrieb der Einrichtung auf einem ursprünglich nach dem Krieg von den ehemaligen Partisanen für bedürftige Kinder eingerichteten Ferienlagers wird von einem Verein getragen, dem mehrere Städte und Provinzen dieses ehemaligen Partisanengebietes angehören. Initiator, maßgeblicher Förderer und Mitgestalter des Museums ist der Altbürgermeister Paolino Ranieri.

Schließlich muss hier ganz besonders unserem italienischen Vereinsmitglied Birgit Schicchi-Tilse gedankt werden. Ihre inhaltliche Vorarbeit, die ganz wesentlich zur gesteigerten Aufmerksamkeit für diesen mutigen Menschen Jacobs beigetragen hat (ein Sonderdruck mit einer Arbeit von Frau Schicchi konnte auf der Gedenkveranstaltung überreicht werden), ihre Beiträge zur Vorbereitung dieses Jubiläums und nicht zuletzt ihre liebe gastfreundliche Hilfe bei allen Fragen während unseres Aufenthalts hat ganz entscheidend zum Gelingen dieser Gedenkfahrt beigetragen, Es ist ein unvergessliches Erlebnis, für das wir uns hiermit bedanken.

Ernst und Charles Melis