Kurt Gutmann

Den 8. Mai 1945 erlebte ich in einem Ausbildungslager der britischen Armee im schottischen Dorf Lockerbie. Dort erhielt ich mit anderen jungen Soldaten meine letzte Ausbildung, bevor ich in den Fronteinsatz kommen sollte. Dies geschah unter kriegsmäßigen Bedingungen, mit scharfer Munition, sowie Artillerie- und Granatwerferbeschuss. Dazu muss ich erwähnen, dass ich im Juni 1939, als 12-jähriger, von meiner jüdischen Mutter, in einem Kindertransport nach Schottland geschickt worden war, um meiner Ermordung durch die Nazis zu entgehen. Diese war von meiner Mutter nach den Ereignissen in der sogenannten Reichskristallnacht vorausgesehen worden. Als ich alt genug war, meldete ich mich zur Arbeit in der Kriegsindustrie in der Werft- und Hafenstadt Glasgow. Hier kam ich mit deutschen Antifaschisten zusammen und nahm an der Arbeit der dort bestehenden Gruppe der Freien Deutschen Jugend in Großbritannien teil. Für mich war es selbstverständlich geworden, nach meiner Entlassung aus der Britischen Armee sofort nach Deutschland zurück zu kommen. Denn ich hielt es für meine Pflicht am Aufbau eines antifaschistischen und demokratischen Deutschland teilzunehmen.. Damit wollte ich auch den von den Nazis ermordetes Mitgliedern meiner Familie, darunter meine Mutter und mein ältester Bruder, gerecht werden.