Klaus Wilczynski

Vom Ende des Krieges in Europa und der Befreiung des gesamten Kontinents habe ich mit Sicherheit erst einen Tag später erfahren. Ich war damals schon drei Jahre freiwilliger Soldat in der australischen Armee und befand mich wohl mit meiner Einheit zu diesem Zeitpunkt auf einem rückwärtigen Munitionsdepot der im pazifischen Raum kämpfenden alliierten Streitkräfte. In unserem Teil der Welt war die Zeit zwar der in Europa um viele Stunden voraus, aber der Krieg ging dort noch etliche Monate unvermindert weiter. Dennoch, natürlich waren wir hell begeistert und zutiefst bewegt, als unser Major uns zum Appell antreten ließ, um die wunderbare Nachricht vor versammelter Front zu verkünden. Er würdigte den Heldenmut der Befreier Europas und der am Sieg beteiligten australischen Soldaten, Flieger und Seeleute. Das siegreiche Ende des Krieges gegen Hitlers Verbündeten Japan werde nun sehr schnell folgen. Für mich war diese Gewissheit genauso begeisternd wie das schmähliche Ende des Hitlerfaschismus, denn das hieß ja auch baldige Demobilisation. Der Tag war näher gerückt, auf den ich seit Jahren gewartet hatte um in meine befreite Heimat zurückkehren und so schnell wie nur möglich am Aufbau des besseren Deutschlands teilzunehmen zu können, für das wir gekämpft und gehofft hatten. Meine ganz persönlichen Gedanken waren während des Appells dort, am anderen Ende der Welt, auch bei meiner Mutter, die ich seit 8 Jahren nicht mehr gesehen hatte und die irgendwo im Berliner Raum in die tiefste Illegalität untergetaucht war. Jetzt endlich konnte ich auf ein Lebenszeichen hoffen.