Ilse Münz - eine aufrechte Antifaschistin

Mitte November vergangenen Jahres gratulierten wir Ilse Münz noch zu ihrem 90. Geburtstag. Jetzt weilt sie nicht mehr unter uns. Doch ihr bewegtes humanistisches Leben wird uns in Erinnerung bleiben, und wir werden ihr Andenken in Ehren bewahren.

In der Zeit der kaiserlichen Monarchie und des Ersten Weltkriegs geboren, wuchs Ilse Schreiber - so ihr Mädchenname - in einer gut situierten, liberalen, jüdischen Familie in Berlin-Charlottenburg auf. Das Elternhaus gab ihr die Möglichkeit einer ausgezeichneten Oberschulbildung. Zugleich bewegten das heranwachsende junge Mädchen all die Dinge, die sie auf der Straße erlebte: die Bettler, die Arbeitslosen und die Schlangen, die sich dort bildeten und die Demos, die ja auch in Berlin gang und gäbe waren" wie sie in einem Interview vom 7. März 1997 sagte. Die „Dinge", die sie auf der Straße erlebte, weckten ihr politisches Interesse. Sie trat im September 1932 in den Kommunistischen Jugendverband ein, besuchte die Marxistische Arbeiterschule (MASCH) bei Hermann Duncker und las marxistische Literatur. Im Sommer 1933 wurde sie kurz vor Abschluss des Abiturs wegen „verbotener politischer Betätigung" vom Oberlyzeum in Westend verwiesen. Sie blieb politisch aktiv, stellte Hand- und Flugzettel her und verbreitete sie, sammelte Geld für die Rote Hilfe, arbeitete für die von Ludwig Renn herausgegebene Zeitschrift „Der Aufbruch" und lerne Richard Scheringer und Bodo Uhse kennen. Als die elterliche Wohnung nach kommunistischer Literatur durchsucht wurde, aber dank rechtzeitiger Verlagerung nichts gefunden werden konnte, wurde der Boden für ihren Aufenthalt in Berlin zu heiß. So ging sie im Oktober 1933 nach Paris. Dort betätigte sie sich beim „Frauenkomitee gegen Krieg und Faschismus" und half mit, den großen „Frauenkongress gegen Krieg und Faschismus" vom 1. bis 4. August 1934 vorzubereiten und durchzuführen. Danach arbeitete sie am „Institut für das Studium des Faschismus", an dem sie auch ihren späteren Ehemann Georg Münz kennen lernte.

Bei einem Aufenthalt in Zürich unterstützte sie den Streik der Züricher Straßenbahner und wurde verhaftet. Nach einem Hungerstreik wurde sie von der Schweizer Polizei über die Grenze nach Frankreich angeschoben. Von hier aus ging sie direkt nach London, um ihre Ausreise nach Moskau zu betreiben, denn nach dort war bereits Georg Münz emigriert.

Im September 1934 konnte sie in die UdSSR einreisen und fand bei „Mosfilm" Arbeit. Sie heiratete Georg Münz und bekam ihren ersten Sohn. Im September 1937 wurde ihr Mann im Zusammenhang mit den stalinschen Repressionen verhaftet und in ein Straflager verbannt. Ilse Münz musste ihre Arbeit aufgeben und wurde Krankenschwester. Während des Großen Vaterländischen Krieges betreute sie unter äußerst harten Bedingungen Kranke und Kriegsverwundete in Kasachstan.

Erst 1956 konnte Ilse Münz mit ihrem Mann und ihrem Sohn nach Deutschland zurückkehren. In der DDR fand sie eine neue Heimat. Ein zweiter Sohn wurde geboren. Es war ein harter Schicksalsschlag, als dann ihr Mann starb. Aufgrund ihrer herausragenden Sprachkenntnisse in Russisch, Englisch und Französisch fand sie bei der Nachrichtenagentur ADN eine Arbeit, die sie erfüllte und sie über das Rentenalter hinaus ausübte. Die Arbeit allein befriedigte sie nicht. Sie engagierte sich mir der ihr eigenen Konsequenz und Selbstlosigkeit auch ehrenamtlich.

Die Erinnerungen und Erkenntnisse des antifaschistischen Widerstandskampfes vor dem vergessen zu bewahren, lag ihr am Herzen. So galt ihr Wirken vor allem der VVN. Sie war langjähriges Mitglied des Kreiskomitees Prenzlauer Berg, danach Mitglied der Bezirksorganisation und des Landesvorstandes Berlin. Sie war seit der Gründung der DRAFD und bis zuletzt ein aktives Mitglied unserer Organisation. Sie war auch Gründungsmitglied des „Freundeskreises Max Lingner".

Es ist ein Verlust, Ilse Münz nicht gekannt zu haben; für mich bleibt es ein großer Gewinn, ihr begegnet zu sein.

Hermann-Ernst Schauer