Horst Behrendt

Der Zweite Weltkrieg endete in Europa durch bedingungslose Kapitulation der auf Hitler vereidigten deutschen Wehrmacht vor den Streitkräften der Staaten der Anti-Hitlerkoalition am 8. Mai 1945 in Berlin. An diesem historischen Tag war ich als Kursant an der Zentralen Antifaschule der Sowjetunion in Krasnogorsk bei Moskau. Dieser Lehrgang, der etwa 200 deutsche Kriegsgefangene, die antifaschistisch gesinnt waren, umfasste, bereitete sie auf ihren Einsatz in Deutschland nach Beendigung des Krieges vor. Schon am 15. März 1944 war ich von dem Regiment 669 der 371. Infanteriedivision in der Ukraine zur Roten Armee übergelaufen. Damit habe ich meinem festen Vorsatz, nicht gegen die Sowjetunion zu kämpfen, entsprochen. Ende April 1944 hatte ich mich der Bewegung Nationalkomitee "Freies Deutschland" im Kriegsgefangenenlager Darnitza angeschlossen und leistete hier Aufklärungsarbeit. Im Juli des gleichen Jahres wurde ich in das Lager 62 in Kiew verlegt und wurde dort zum Leiter des Antif-Aktivs gewählt. Wir Krasnogorsker Kursanten erlebten nun den 8. Mai als das Ende der faschistischen Barbarei in Europa, sahen mit Begeisterung aus der Ferne das Siegesfeuerwerk über Moskau und waren voller Hoffnung hinsichtlich der auf uns zukommenden Aufgaben in einem freien demokratischen Deutschland . Nach Beendigung des Lehrgangs wurden die Teilnehmer in verschiedene Kriegsgefangenenlager geschickt, um entsprechend den Zielen des Nationalkomitees im Lager zu wirken, d. h. in vielfältiger Kleinarbeit antifaschistisches Denken bei den Kriegsgefangenen auszuprägen. Ich wurde in Howrino bei Moskau eingesetzt und arbeitete ein Dreivierteljahr als Leiter der Kulturgruppe. Endlich erhielt ich die Nachricht , dass ich demnächst mit einem Transport von Antifaschisten in meine Heimat nach Deutschland zurückkehren könne. Der ersehnte Augenblick war da! Am 26. September 1946 betrat ich wieder den Berliner Boden.