Kahle Hans

Hans Kahle 22.4.1899-1.9.1947

Hans Kahle wurde in Berlin-Charlottenburg als Sohn eines höheren Beamten geboren. Er besuchte ein Realgymnasium, dem nach Abschluss ab 1913 die Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde folgte. Gleich nach Abschluss der Kadettenausbildung im Mai 1917 schloss sich im selben Jahr sein Kriegseinsatz an. Als Leutnant geriet Hans Kahle im Juli 1918 in französische Gefangenschaft, aus der er nach zwei Jahren, Anfang 1920, entlassen wurde.

Wieder in seiner Heimat belegte er Vorlesungen an der Handelshochschule in Berlin. Von 1921 bis 1926 arbeitete Hans Kahle dann als kaufmännischer Angestellter in Mexiko. Nach Deutschland zurückgekehrt wurde Kahle journalistisch und redaktionell tätig, u.a. für Zeitung „Tribunal" der Internationalen Rote Hilfe (IRH). Diese Arbeit wies ihm den Weg in die KPD, der er 1928 beitrat und für die er dann vorwiegend kulturpolitisch tätig wurde, so im Freien Radiobund Deutschland, dessen Vorsitz er 1932/33 innehatte. Zuletzt war Hans Kahle Redakteur und Verlagsleiter der Wochenzeitschrift „Arbeitersender" und - entsprechend seiner militärischen Ausbildung - Mitarbeiter des Militärischen Apparates der KPD.

Seine vielfältigen politischen Aktivitäten für die KPD und die IRH machten ihn im Deutschland der Vornazizeit zur Unperson. Er emigrierte 1933 zunächst in die Schweiz, später nach Frankreich. Während seines zweijährigen Aufenthaltes in der Schweiz und in Frankreich arbeitete er als freischaffender Redakteur und organisierte für die IRH Hilfsaktionen für die verfolgten spanischen Bergleute des asturischen Bergarbeiteraufstandes.

Als in Spanien 1936 der Bürgerkrieg begann, wirkte Hans Kahle in Paris im Organisationskomitee für die Bildung der Internationalen Brigaden. Im Oktober 1936 verließ er Frankreich und schloss sich den Interbrigadisten an. Von Herbst 1936 bis zum März 1937 war Kahle Kommandeur des Bataillons „Etkar Andre" und von 1937 Kommandeur der legendären XI. Internationalen Brigade. In den heftigen Kämpfen um Madrid und am Ebro bewährte sich der umsichtige Militär als standhafter Offizier. Seinen Interbrigadisten war er ein beliebter und verständnisvoller Kommandeur, der in den Kämpfen immer an vorderster Front zu finden war. Selbst die disziplinfeindlichen Anarchisten folgten seinen militärischen Anordnungen.

Ende 1938 gelangte Hans Kahle über Frankreich nach Großbritannien. Dort gehörte er von 1939 bis 1946 der Leitung der KPD in England an.  Als „Feindlicher Ausländer" wurde er 1940/41, nach Kriegsbeginn, zunächst in Großbritannien, später in Kanada interniert. Ab 1941 erhielt er die Möglichkeit, als militärischer Korrespondent an verschiedenen Zeitungen mitzuwirken.

Hans Kahle gehörte zu den Gründern der Freien Deutschen Bewegung (FDB) in Großbritannien. Er war u. a. 1944 Organisationsleiter der FDB und 1945/46 für die Zusammenarbeit mit englischen Organisationen verantwortlich.

Im Februar 1946 kehrte Hans Kahle nach Deutschland in die Sowjetische Besatzungszone zurück. Hier übernahm er die Funktion des Chefs der Deutschen Volkspolizei (DVP) in Mecklenburg. Außerdem gehörte er dem SED-Landesvorstand in Mecklenburg an.

Er starb am 1. September 1947 in Ludwigslust.

Günter Wehner

 

 

 

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