Gottfried Hamacher

An dem Tag, an dem der Chef der Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, vor dem sowjetischen Oberkommandierenden in Deutschland, Marschall der Sowjetunion Shukow, in dessen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst in Anwesenheit der Vertreter der USA und Großbritanniens die bedingungslose Kapitulation unterzeichnete, war ich als ehemaliger Armeebeauftragter des NKFD als z. b. V. beim Stab der 2. Belorussischen Front eingesetzt. Hinter mir lagen die letzten Tage des Krieges, in denen ich als Gehilfe von Major Belajew von der 7. Abteilung des Frontstabes in den befreiten Städten Vorpommerns und Mecklenburgs, wie Neustrelitz, Greifswald, Stralsund und Rostock - es waren insgesamt 18 Städte - der Einsetzung von Oberbürgermeistern beiwohnte. Es waren die ersten antifaschistischen Selbstverwaltungen. Mein Einsatz hing wohl damit zusammen, dass die jetzt eingesetzten Stadtoberhäupter sämtlich ehemalige Frontbeauftragte des NKFD waren, mit denen ich zusammengearbeitet hatte. Auf den Rückweg nach Stettin legten wir in Triebsees eine Mittagspause ein, bei der ich mit meinen sowjetischen Kameraden der 65. Armee zusammentraf. Mit ihnen hatte ich den Kampfweg vom Dnjepr bis zur Oder zurückgelegt. Jetzt nahmen wir voneinander Abschied. Es war ein Abschied von Major Mendeljewitsch aus Sluzk in Belorussland, meinem ständigen Begleiter in den Divisionen der Front, von Leutnant Fejdorow aus Leningrad, dem technischen Leiter unserer MGU, von Max, dem Redakteur aus Riga und nicht zuletzt vom Sergeanten Fedja, dem sibirischen Blondschopf, der unseren Lautsprecherwagen durch dick und dünn über Trichtergräben hinweg durch die Wälder Belorusslands und Polens gesteuert hatte. Auch Misch Zetlin und ich sagten uns Lebewohl. Mit ihm war ich im Winter 1944 an der Narew-Front in einem T 34 mit aufgesetzten Lautsprechern an die vordersten Gräben der deutschen Front herangefahren, um den deutschen Soldaten die Wahrheit über diesen sinnlosen Krieg zu sagen. Mit dem Austausch unserer Adressen und dem Versprechen eines Wiedersehens nach dem Krieg endete unsere Begegnung. Mit herzlichen Umarmungen und den besten Wünschen für die Zukunft gingen wir auseinander. Ein wenig weh war uns allem ums Herz.