Gilbert Badia

Gilbert Badia zum Gedenken


Der am 5. November im Alter von 88 Jahren verstorbene Professor Gilbert Badia, ein international anerkannter Spezialist für die Gebiete des deutschen antifaschistischen Exils in Frankreich und des Widerstands gegen das Hitlerregime, hatte einen seiner letzten Briefe an unserem Verband DRAFD gesandt. Drei Tage vor seiner Einlieferung in ein Krankenhaus schrieb er uns: "Ich habe soeben mit großem Interesse die DRAFD-Information von Juli-August 2004 gelesen und ich schätze sehr Eure ,fast schon diplomatische Mission, in Tulle, Oradour und Limoges mit den Jugendlichen. Wie der Regierende Bürgermeister von Berlin beglückwünsche ich Ernst Melis, dass er mit 95 Jahren noch so aktiv ist. Übermittelt ihm meine herzlichen Grüße, auch an Peter und Sigmund Gingold, Gerhard Leo und allen, die mich kennen. Ihr berichtet über Oradour, Tulle und Limoges, wie die Leute Euch dort empfangen haben, wie die Jugendlichen informiert worden sind und das alles ist sehr gut."
Gilbert Badia ist im August 1943 als Résistancekämpfer von der Vichy-Polizei verhaftet worden. Er war Verbindungsmann zwischen einer Gruppe deutscher Antifaschisten in Paris, die der TA (Deutsche Arbeit) angehörten und dem illegalen Zentralkomitee der FKP. Mit Hilfe der Résistance konnte er im Februar 1944 aus der Haft entfliehen. Seine Verbundenheit mit den deutschen Antifaschisten in Frankreich war ein beherrschendes Element in seinem Werk als Germanist und Historiker an der Pariser Sorbonne-Universität. Besondere Anerkennung fand in Frankreich sein 2000 erschienenes Buch "Ces Allemands qui ont affronté Hitler" (Diese Deutschen, die Hitler die Stirn boten). Es ist eine umfassende Würdigung des deutschen Widerstands gegen das Naziregime von den Kommunisten bis zu den Offizieren des 20. Juli.
In einem Antowrtbrief konnten wir unserem Freund noch mitteilen, dass der bekannte französische Historiker Professor Etienne Francois soeben in einem öffentlichen Vortrag in Potsdam Badias Werk als sehr aufschlussreich für das Verständnis des deutschen Widerstandes hervorgehoben hatte.
Gerhard Leo