Erich Arndt


Am 8. Mai 1945, dem 828. Tag meiner Kriegsgefangenschaft als ehemaliger evangelischer Divisionspfarrer der in Stalingrad untergegangenen 24. Panzerdivision, befand ich mich im Kriegsgefangenenlager Nr. 27/1 in Krasnogorsk. Die lange erwartete und erhoffte Nachricht von der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht erfüllte mich und wohl auch die Mehrheit der andren Lagerinsassen mit Trauer, Freude und Hoffnung: Trauer wegen vieler Verluste an Menschenleben und Sachwerten an den Fronten und in der Heimat; Freude darüber, dass endlich die faschistische Gewaltherrschaft in Deutschland und weiten Teilen Europas ihr Ende gefunden hatte; Hoffnung darauf, dass die Völker der Welt und ihre Regierungen aufkommende Probleme nicht mehr mit Kriegen lösen würden und nicht zuletzt die Hoffnung, dass ein friedliebendes demokratisches und antifaschistisches Deutschland dabei eine ihm zukommende Bedeutung haben könnte und natürlich auch die Hoffnung auf baldige Heimkehr.

In einem ökumenischen Gottesdienst habe ich in diesem Sinne zu den zahlreich anwesenden Kameraden in der Predigt gesprochen.

Erich Arndt