Edmund Hünigen


Kurz vor dem 3. Mai 1945 war ich als Partisan der "Osvobodilna Fronta slovenskega naroda" (Befreiungsfront des slovenischen Volkes) nach Celovec (Klagenfurt) gekommen. Wir "besetzten" die Stadt, indem wir Quartiere suchten und einheimischen Kommunisten halfen, die Partei wieder aufzubauen.

Aber am 8. Mai 1945 kamen mir Zweifel, ob es nicht sinnvoller wäre, statt in Klagenfurt besser "zuhause" in den Sudeten in Reichenberg dem Humanismus, der Freiheit Andersdenkender und sozialer Gerechtigkeit zum Durchbruch zu helfen. Ob mein Vater das KZ überlebt hat? Ob Mutter und Schwestern in London von Hitlers V2 verschont blieben? Ich brauchte Gewissheit, am 8. Mai.

Es war nicht einfach "nach Hause" zu gelangen. Ich hatte zwar einen propust (Passierschein) und entsprechende Kleidung aber kein Transportmittel. Schließlich gelangte ich mit Hilfe von "Repatriierungsorganisationen" bis nach Prag und konnte als Mitglied der Antifa helfen, die Übersiedlung beschäftigter deutscher Antifaschisten in die "Sowjetzone" mit einen halben Waggon Habseligkeiten (statt nur 30 kg) zu organisieren. Dabei dachte ich immer an Goethes Worte: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.